| Leben - Sitten |
Heute ist der Muttertag in Russland, ist am letzten Sonntag November gefeiert, so hat im 1998 Präsident Jelzin entschieden. Warum gerade im November, ist ein wenig unklar, weil meiste Länder der Welt Mütter im Mai ehren, aber was da ein Datum – unwichtig. Das Fest ist relativ neu und ist mehr auf offiziellem Niveau bezeichnet – in Massmedien und Organisationen. Um so mehr war es mir angenehm laute Musik im Hof zu hören, eine Kinderstimme sang ein rührendes Lied darüber, dass „Mama das erste Wort, das wichtigstes Wort in unserem Schicksal ist“. Ich kenne das Lied aus meinen Kinderjahren und halte es für das beste aus allen, die den Müttern gewidmet sind. Wirklich – ohne Mama – kein Leben überhaupt!
Ich habe mein Kochen schneller zum Ende gebracht, mich eilend angezogen (minus 14 Grad, Schnee und Wind draussen) und bin in den Hof unseres Hauses gelaufen. Auf dem Spielplatz war lustiges Feier im vollem Gange. Kinder und Eltern beider Geschlechte haben getanzt und in verschiedenen Scherzwettkämpfen teilgenommen. Mein siebenjähriger Sohn war auch dabei, ich habe den Rhythmus gefangen und mich mit Vergnügen dem Tanz abgegeben. Freundliche Frauen in gleichen orangen Westen über warmen Mänteln gaben allen Teilnehmern heissen Tee und süsse Brötchen, die sympathischen Clowns unterhielten das Publikum. Ach, schön, ich habe eine Feier in der Seele gespürt, sonst würde ich wohl einfach mehr, als sonst, am Herd stehen, um der Familie was leckeres zu kochen… Arme russischen Frauen: habe gestern in einer Zeitung gelesen, am 31. Januar müssen sie so vieles zum Neujahrsabend vorbereiten, dass am Tisch keinen Appetit und keine Kräfte mehr haben – und das kann ich bestätigen. Aber jetzt – weg mit Sorgen, ich tanze, ich feiere, ich bin doch zweimal Mama!
Ich habe mich wahrscheinlich so ansteckend gefreut, dass mein Sohn auch aktiv getanzt hat und wollte nicht weggehen, obwohl seine Wangen ganz rot von der Kälte geworden sind. Und am Ende des Programms ist zu mir ein netter junger Mann gekommen und mich gebeten ein paar Worte über die Feier zu sagen. So habe ich ein Interview gegeben und dabei erfahren, wer uns die Freude geschenkt hat. Das war ein Fonds der Sozialhilfe der Bevölkerung, der neulich in unserem Mirkobezirk tätig ist. Ein Mirkobezirk ist ein Teil von einem Stadtbezirk – die Fläche der Stadt Perm ist gross, hat sieben Stadtbezirke, ich lebe also am Rand von einem, unser Mikrobezirk heisst Krochalevka. Und gerade hier ist der Fonds unter der Leitung von Alexander Telepnev tätig, dank dem die Kinder und Eltern in unserem Hof so gutes Geschenk bekommen haben. Über den Fonds erzähle ich später, unbedingt, jetzt aber werde ich das Feierbrötchen essen und sehen, was mein Kleiner mir zum Muttertag vorbereitet hat (ich habe alle Geschenke von meinen Kindern in einem Schrank, wie kann ich sie auswerfen, wenn dort „Meine geliebte Mami“ als Anrede steht).
Also, obwohl heute November ist, kein Mai, obwohl es eine russische Feier ist, möchte ich trotzdem heute allen Müttern der Welt viel Gesundheit und viel Liebe wünschen. Mutter ist überall Mutter, ob sie in Deutschland lebt, in Japan oder in Russland. Richtig? :)
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Aktualisiert (16. März 2011)



