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In Russland ist Ostern (russ.: Пасха [páskha]) das größte und schönste religiöse Ereignis im Jahr. Die Feierlichkeiten sind sogar prächtiger als an
Weihnachten. Gläubige und Atheisten, Kinder und Erwachsene, Dorf- und Stadtbewohner strömen in die Kirchen, um an der festlichen Messe teilzunehmen. Denn Ostern ist mehr als eine kirchliche Feier der Christi Auferstehung. Das ist eine jahrhundertlange Tradition, die auch die Kommunisten nicht unterbinden konnten. Ostern säubert die Seele und die Gedanken und bringt jedem Frieden, Freude und Hoffnung. Nicht zuletzt freuen sich die Russen auf ein üppiges und frohes Familienfest mit köstlichen Kreationen der rituellen Küche. Osterbrot (russ.: кулич [kulítsch]), spezieller Quarkkuchen Paskha, farbige Eier und viele andere Leckereien stehen auf der Festtafel.
Anders gestaltet ist auch der orthodoxe Gottesdienst. Schon am Samstagabend versammeln sich festlich gekleidete Menschen in noch dunklen Kirchen, die eine düstere Welt ohne das Licht des Glaubens symbolisieren. Früher hat man geglaubt, dass die Teufelskreaturen in der Nacht vor Ostern besonders böse wurden. Nach dem Sonnenuntergang trauten sich die Leute nicht mehr auf die Straße, weil sie in jeder Katze eine Hexe und in jedem Hund einen Teufel sahen. Die Kirche war dagegen ein sicherer Zufluchtsort.
Bereits in der Karwoche setzt in den russischen Haushalten rege Betriebsamkeit ein. Nach dem großen Frühjahrsputz fängt man an, Osterbrote zu backen. Am "sauberen Donnerstag" werden Eier gefärbt und am Samstag frische Osterkuchen zubereitet. Die Schwierigkeit dabei besteht darin, dass Samstag der strengste Tag des Großen Fastens ist, an dem man so gut wie gar nichts essen darf. Sogar das Abschmecken der Gerichte ist nicht erlaubt. Aber die Vorfreude ist groß, und die Köchinnen und Köcher geben sich besondere Mühe. Traditionell nimmt man Osterbrote und Eier mit in die Kirche, um sie zu weihen. Nach der Ostermesse wird das Speiseverbot aufgehoben, und endlich stehen die entbehrten Köstlichkeiten wieder auf dem Tisch.
Aktualisiert (07. Juni 2008)




