| Wissen - Russland allgemein |
Russischer Vatersname
In der Verbindung mit immer wieder verstärkenden Tendenzen für Integration in Weltkultur ändern sich mehrere Dinge in Russland, die bisher Jahre und Jahrhunderte unberührt existierten. Unmittelbaren Einflüß des Prozesses haben auch auf sich persönliche Namen empfunden.
Russissches System der persönlichen Namen ist dreigliedrig: Vorname (Imja), Vatername (Otschestwo) und Name (Familija), z.B. Alexandr Michajlowitsch Iwanow. Der zweite Glied – Vatername – ist ungewöhnlich für eropäische Völker, dafür die Erscheinung, dass ein Mensch zwei oder mehr Vornamen hat (wie Uwe Peter, z.B.), ist unter russischen Menschen unbekannt.
Anrede zu Menschen in Russland schliesst bevorzugsweise Vorname und Vatername ein, so eine Kombination wie „Gospodin Iwanow“ (Herr Iwanow)oder „Gosposcha Iwanowa“ (Frau Iwanowa) klingt zu ofiziell und ist meistens bei Presskonferenzen und internationalen Treffen gebraucht.
Normalerweise sagen erwachsene Menschen zu einander auf solcher Weise: Swetlana Leonidowna, Jurij Stanislawowitsch. Genau so, mit Vormane und Vatername, sprechen Kinder und Jugendliche fremde Erwachsenen an. Die Formel zeigt in Russisch Respekt zu Gesprächspartner und hat sehr lange Geschichte: nur russische Fürste und Adlen hatten einst das Recht, nach Vatername genannt zu werden, einfache Leute trugen Vornamen, die eher ihre Spitznamen waren.
Nach der Oktoberrevolution 1917 werden in Pässen und anderen ofiziellen Dokumenten alle drei Komponenten von Name aufgenommen. In der Erzählung von
M. Bulgakow „Hundeherz“ http://en.wikipedia.org/wiki/Heart_of_a_Dog bekommt der aus einem Hund geschaffener Mensch einen Pass mit selbst gewähltem Namen. Der Name existiert gar nicht in russischer Tradition , aber ein Kalender schlägt ihn seinen Lesern vor und so heisst nun die Person Poligraf Poligrafowitsch Scharikov (die Vorname und Vatername stammen aus dem Wort „Polygraph“ und der Name – aus dem Rufname des Hunds: Scharik +ow). An diesem Beispiel kann man gut sehen, dass sich Vatername wie „Name + ow + itsch“ bildet. Natürlich ist das Muster literarisch, im Leben kommt „Otschestwo„ von dem Vorname des Vaters und kann andere Suffixe haben. Zum Beispiel, Kinder von Ilja können so heissen: Nikolaj Iljitsch, Nadeschda Iljinitschna; von Andrej – Wiktor Andrejewitsch, Anastasija Andrejewna.
Die Unterhaltung mit ausländischen Partnern verlangt aber den zweiten Teil des russischen Namen herauszunehmen, weil er zu kompliziert und ungewöhnlich für Nicht-Russen ist. Auch in großen Geschäften, Banken oder internationalen Organisationen tragen nun Angestellten Namenschilder nur mit zweigliedrigen Namen. Diese Tendenz ist also einerseits begründet, andererseits ist die Ansprechung in dieser Form etwas problematisch. Man kann nicht einer Verkäuferin in einem Laden, die als „Tatjana Schukowa “ bezeichnet ist, sagen: Tatjana, zeigen Sie mir bitte diese Sache! – das ist nicht üblich. Auch „Gosposcha Schukowa“ geht nicht, in dieser Situation würde das Wort „Gosposcha“ eher spötterische Bedeutung haben. Ein Kind in einer Kinderpoliklinik kann eine Ärztin gar nicht nach Vor – und Zuname nennen, er soll entweder Vorname und Vatername sagen oder einfach mit „Sie“ reden; im Fall der Diensthierarhie wird ein Boss einen Untergeordneten nach vollem Vorname rufen, ein Untergebene seinen Chef mit Vor – und Vatername anreden. Das heisst, der Vatername spielt bislang wichtige Rolle bei Unterhaltung zwischen russischen Menschen; bei internationalen Kontakten nimmt aber Russland das europäische Modell über.
Die populärsten Vornamen in Moskau im Jahr 2007
Die Mode der Namenvergebung wechselt wellenartig, ausländische, oder gar ausgedachte Namen lösen allmählich die alte gewöhnlichen Namen, die Russland schon lange für eigene haltet, ab. Da ist die Liste der Namen, die Moskauer in 2007 ihren Kindern am liebsten gaben:
| Männernamen: | Frauennamen: |
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Alexandr Maxim Iwan Artjom Nikita Dmitrij Jegor Danila Michail Andrej |
Anastasija Marija Darja Anna Elisaweta Wiktorija Jekaterina Polina Sofja Alexandra |
Die Moskauern Standesämter haben bereits auch solche Namen wie Prinz, Sokrat, Gamlet (russische Transkription von Hamlet), Knjas (Fürst) und Kosmos registriert. Zur Welt gekommene Mädchen haben Namen Olimpiada, Rossija (Russland), Assol (der Name einer literarischen Heldin) bekommen. Und sogar eine Amaterasu (in shintoistischem Pantheon - die Göttin-Sonne) ist angemeldet worden.
Solche Kreativität ist aber verständlich: in der russischen Hauptstadt wurden in vorigem Jahr mehr als 101 Tausend neue kleinen Einwohner geboren, natürlich wollen Eltern den Kindern besondere Namen geben.
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Aktualisiert (18. November 2010)




